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Die Entwicklungsgeschichte des Autoradios in Deutschland

 

 

Teil 1 - Aller Anfang ist schwer

 

Amerika am Weihnachtsabend 1906: Die erste Radiosendung geht über den Äther.

Amerika ab 1920: Die ersten Kleinserien von Autoradios werden gebaut.

Berlin, 29. Oktober 1923, 20:00 Uhr: Die erste deutsche Radiosendung wird ausgestrahlt: "Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin - Voxhaus auf Welle 400 Meter. Wir beginnen mit Unterhaltungsrundfunk. Hören Sie ein Eröffnungskonzert..." Gesendet wird aus einer Dachkammer des Berliner Vox-Hauses.

Amerika 1924: Der Automobilhersteller Chevrolet bietet erstmals ein Autoradio (PHILCO), als Zubehör für seine Fahrzeuge an.

Berlin in den Goldenen 20er Jahren: Charleston, Can-Can, kesse Moden, fröhliche Feste und ein wichtiges Gesprächsthema: Rundfunk. Der Rundfunk begann seinen Siegeszug und BLAUPUNKT war dabei. Blaupunkt - damals Markenname für die Erzeugnisse der am 17. November 1923 in Berlin durch Ottmar Voelk, Alfred Daeschner und Alfons Geister gegründeten Firma IDEAL Radio Telefon- und Apparatefabrik GmbH - wurde ein populärer Begriff. Ideal stellte zunächst KOPFHÖRER her. Jedes einzelne Stück wurde von den Technikern sorgfältig geprüft und mit einem kreisförmigen Zelluloid-Plättchen als Qualitätssymbol gekennzeichnet - dem blauen Punkt. Eine frühe Form der Qualitätssicherung. Es dauerte nicht lange, bis die Käufer einfach nach den "Blaupunkt"-Kopfhörern fragten. Der Firmenname geriet so rasch in den Schatten des Markennamens und es war naheliegend, daß Unternehmen umzubenennen. Zuvor, im Juni 1933, übernahm BOSCH das gesamte Aktienkapital der seit 1927 als AG firmierenden Idealwerke. Dieser Zusammenschluß eröffnete Blaupunkt auch größere finanzielle Mittel für die Entwicklung, als das bis dahin der Fall gewesen war. Seit dem 16. Dezember 1938 gibt es die bekannten Blaupunkt-Werke GmbH.

Trotz der großen Beliebtheit, deren sich der Rundfunk erfreute, war der Entschluß der Ideal-Werke, ein Radio für den Einbau ins Auto zu bauen, ein mutiges Unterfangen. Denn es gab nicht viele Automobile und bestimmt noch weniger Autobesitzer, die sich den kostspieligen Luxus eines Autospezialgerätes leisten wollten oder konnten. In jener Zeit war das Auto etwas für die "Chefetage" und vorwiegend Geschäftsleute oder Ärzte waren entsprechend vermögend. Blaupunkt wurde im wahrsten Sinne Pionier des Autoradiobaus. 1931 gingen die Entwicklungsingenieure der Ideal-Werke an die Schwierigkeiten heran, die bei der Schaffung eines Autoradios zu überwinden waren. Allerdings konnte man auch auf die Erfahrungen von Bosch zurückgreifen, da man bereits seit 1930 eng zusammenarbeitete. Klar war, daß es dafür keine Spezialröhren gab und man auf die damals noch sehr großen Batterieröhren angewiesen war. Die indirekt geheizten Rundfunkröhren hatten einen enormen Stromverbrauch. Auch wußte man von diesen Röhren noch nicht, ob sie dem rauhen Betrieb im Auto standhalten würden. Bereits bei den ersten Versuchen zeigte sich, daß die Klangempfindlichkeit der Batterieröhren so groß war, daß die Aufhängung des gesamten Empfängers an Gummibändern nicht ausreichte und das man die Audionröhre (Audion = Empfangsgleichrichtung und gleichzeitige Verstärkung) und die erste geregelte Vorstufe auf indirekt geheizte Röhren umstellen mußte. Immerhin konnte wenigstens der Heizstrom für die Röhren aus der Wagenbatterie entnommen werden. Für die Anodenspannungsversorgung mußte aber zusätzlich eine Anodenbatterie oder ein rotierender Umformer mitgeführt werden.

Obwohl die Geräte nur auf MW und LW arbeiteten - UKW gab es noch nicht und auf KW verzichtete man - traten bei der Entstörung unüberwindlich erscheinende Probleme auf. Weder der gesamte Störquellenkomplex, noch die zweckmäßigsten Entstörmaßnahmen waren bekannt. Auch in Bezug auf Form und Anbringung der Antenne im Kraftwagen lagen keinerlei Erfahrungen vor. Bei manchem Automobil wurde die Unterseite des breiten Holztrittbretts zum Verspannen eines Antennendrahtes benutzt. Bei anderen wiederum nähte man die Antennenlitze in das Verdeck ein. Trotz all dieser Schwierigkeiten wagte Blaupunkt den Schritt in diese technische Neuland und brachte 1932 den ersten deutschen Autosuper, einen Saurier Namens AS 5, heraus. 465,-- Reichsmark kostete dieses Gerät und verschlang damit nochmals ein Drittel dessen, was seinerzeit ein kleines Automobil kostete. Es handelte sich um einen 5-Röhren / 7-Kreis Super mit rotierendem Umformer (Generator). Dieser war zur Erzeugung der Röhren-Anodenspannung von 120-200V erforderlich. Entsprechend der Größe der damaligen Bauteile und Röhren war es ein voluminöses Gerät, das unterhalb des Armaturenbrettes, weitab von Sitz des Fahrers, montiert werden mußte. An der Steuersäule wurde eine Fernbedienung angebracht, die durch Bowdenzüge mit dem Empfängerteil verbunden war. Diese Fernbedienung ermöglichte die Abstimmung, Lautstärkeregelung und das Ein- / Ausschalten vom Fahrersitz aus.

Der AS 5 war vieldiskutierter Anziehungspunkt, auf der Funkausstellung im August 1932 und der späteren Autoausstellung im Februar 1933, in Berlin. Mit zunehmender Motorisierung und den ständigen Verbesserungen der Autosuper, stieg auch das Publikumsinteresse am "Radio im Auto". Bereits 1933 brachte Blaupunkt einen wesentlich moderneren Empfänger, den 4 A 75 auf den Markt. Bei diesem Super mit 6-Röhren / 7-Kreisen gelang es, alle erforderlichen Komponenten einschließlich Lautsprecher und Umformer, in einem Gehäuse unterzubringen. Der aufwändige, große und gewichtige Generator, der auch nur schwer entstörbar war, wurde hier bereits durch einen kleineren und preiswerteren Wechselrichter - "Zerhacker" - ersetzt. Trotz aller Anstrengungen ergab das aber immer noch einen Rauminhalt von 9,5 Litern! Dem 4 A 75 folgte mit dem 5 A 76 ein weiterer 6-Röhren / 7-Kreis Super und 1938 der 7 A 78. Dieser war seinen Vorgängern in der Form sehr ähnlich. Als 7-Röhren / 6-Kreis Super mit Schwundausgleich auf 2 Röhren, Zerhackerteil für die Stromversorgung und beleuchteter Skala, wies er aber doch einen merklich erhöhten Komfort auf. Erstmals kam bei diesem Gerät die Selbstinduktion und Stahlröhren zum Einsatz. Es folgte der 7 A 79 und während des zweiten Weltkrieges eine Sonderausführung für das Militär, der 7 A 741 H. Beide entsprachen, von kleineren Verbesserungen und geänderten Bedienteilen einmal abgesehen, dem Vorgänger. Neue Gesichtspunkte für die Konstruktion des Autosupers tauchten auf. Einerseits gab es nun Röhren mit größerer Verstärkung, andererseits Röhren mit geringerem Stromverbrauch. Einzelteile wurden kleiner und betriebssicherer, der Wirkungsgrad des Zerhackers wurde weiter erhöht. 1939 war der Autosuper soweit, daß er in Empfangsleistung und Betriebssicherheit auch bei rauhester Behandlung hohen Anforderungen genügte.

Parallel zur Weiterentwicklung des Autoradios wurde der Blaupunkt-Kundendienst weiter ausgebaut. Das Fachpersonal wurde intensiv geschult und viele neue Spezialhändler setzten sich für Verkauf und Service der Blaupunkt-Autosuper ein. Der Erfolg all dieser Maßnahmen war, daß der Autoradioumsatz im Jahr 1938 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt werden konnte - damit begann der Siegeszug der Autosuper. Möglicherweise angespornt durch die Pionierleistungen von Blaupunkt, wurden bis Ende der 30er Jahre von 5 weiteren Herstellern entsprechende Geräte angeboten. Diese waren: KÖRTING, LORENZ (später Schaub-Lorenz, SEL bzw. ITT), MENDE (später Nordmende), PHILIPS und TELEFUNKEN. Körting und Mende zogen sich jedoch schnell wieder aus diesem Segment zurück und konzentrierten sich wieder auf Heimradios. Mende z.B. brachte nur einen einzigen Autosuper, den Typ AE 35 auf den Markt. Das angekündigte Nachfolgemodell ging nicht mehr in Serie.

 

Chronologische Aufstellung der Geräte bis 1948:

 

Baujahr

Hersteller

Foto

Typenbezeichnung

Preis (RM)

 

 

 

 

 

1932

Blaupunkt

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AS 5

465,00

1933

Blaupunkt

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4 A 75

325,00

1934

Philips

-

241 B (6V) / 243 B (12V)

Importgerät

|

Siemens (*1)

-

???

?

|

Telefunken

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T 540

353,00

1935

Körting

-

ASE 4251 (6V) / ASC 4251 (12V)

348,25

|

Mende

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AE 35

314,25

|

Telefunken

-

T 541

?

1936

Blaupunkt

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5 A 76

332,75

|

Körting

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ASE 6340 (6V) / ASC 6340 (12V)

420,00

|

Philips

-

245 B (6V) / 246 B (12V)

Importgerät

|

Telefunken

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T 655

450,00

1937

Körting

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ASE 6341 (6V) / ASC 6341 (12V)

400,00

|

Philips (eingeb. LS)

-

247 B (6V) / 248 B (12V)

Importgerät

|

Philips (separ. LS)

-

249 B (6V) / 250 B (12V)

Importgerät

|

Telefunken

-

T 3766

373,00

1938

Blaupunkt

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7 A 78

330,00

|

Körting

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AS 7340

348,00

|

Philips (int. LS)

-

260 B (6V) / 261 B (12V)

Importgerät

|

Philips (ext. LS)

-

262 B (6V) / 263 B (12V)

Importgerät

|

Telefunken

-

T 3877 (Normal- und S-Ausführung)

338,00

1939

Blaupunkt

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7 A 79

330,00

|

Lorenz

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AS 39

298,00

|

Philips (ext. LS)

-

258 V (6V) / 259 V (12V)

?

|

Philips (int. LS)

-

268 V (6V) / 269 V (12V)

?

|

Telefunken

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IA - 39

325,00

1940

Siemens (*1, 2)

-

IA - 40

?

1941

Blaupunkt

-

7 A 741 H

Wehrmachtsausführung

1942

Telefunken (*3)

-

IA - 42

?

1947

Lorenz

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KE 2

?

|

Philips

-

253 V (6V) / 254 V (12V)

Importgerät

|

Philips (war auch als Radiola im Handel)

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N(X) 570 V (6V) / N(X) 572 V (12V)

Importgerät

1948

Ph. Fahnenschreiber & Söhne

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FS AUTOSUPER

?

|

RFT Funkwerk Leipzig

-

S 1548 B

?

|

RFT Funkwerk Leipzig

-

S 1848 B

?

(*1) Quelle: Siemens-Archiv München; (*2) Baugleich mit Telefunken IA - 39; (*3) Ähnlich Telefunken IA - 39

 

 

Teil 2 - Der Wiederaufbau

 

Pforzheim, 02. August 1945: Der 27 jährige Sohn eines Unternehmers, der schon mit 13 Jahren ein passionierter Radiobastler war, beantragt offiziell beim Oberbürgermeister, die Genehmigung zur Errichtung einer: "Reparaturwerkstätte für Rundfunkgeräte und handwerklichen Instandsetzungsbetriebes sowie Groß- und Kleinhandel mit Rundfunkgeräten". Gegen einen "Kostenbetrag" von 3,-- RM wird diese erteilt. Da die meisten Radios in Deutschland kaputt waren - Rundfunksendungen aber die einzige Informationsquelle - hatte dieser Jungunternehmer von Anfang an zu tun. Natürlich mußte viel improvisiert werden. Werkzeuge und Ersatzteile wurden vorwiegend aus den Trümmern geborgen und wenn nötig, galt das Rezept "aus-drei-mach-eins". Auch im Keller des Firmengründers fand man unversehrte Röhren für die ersten Reparaturen.

Ab etwa 1947 arbeitete der "Chef" an dem Projekt Autoradio. Die ersten Versuche erfolgten mit einem Körting (AS 7340) der Vorkriegsproduktion. Es galt, die seit Anbeginn der Autoradioära bestehenden Probleme, befriedigend zu lösen. Nach vielen Testfahrten - tags und nachts - erblickte in der Sylvesternacht 1948 / 49, das erste Autoradio dieser kleinen WERKSTATT das Licht der Welt. Der wuchtige Mittelwellen-Super mit 5-Röhren / 6-Kreisen, wurde auf den Namen AUTOPHON getauft. Noch im gleichen Jahr kam der modifizierte AEROPHON heraus. Bei diesem war zusätzlich der Empfang von Lang- und Kurzwelle möglich. Ebenfalls 1949 entwickelte man, eigens für eine Testveranstaltung in Sindelfingen, den AS 49. Dieser setzte sich mit Bravour gegen seine 4 Mitkonkurrenten durch. Neben einer guten Funktionalität, zeichnete es sich vor allem durch sein Design aus. Der Kunde war begeistert, genau dieses Gerät sollte es sein. Doch es gab noch ein Problem: Der Lieferant - eben jener enthusiastische Bastler - hatte nur dieses eine Gerät, sonst nichts. Kein Kapital und erst recht keine Produktionsmittel für eine Serienfertigung. Was folgte ist Geschichte. Da der Kunde keinesfalls auf dieses Gerät verzichten wollte, streckte man die erforderlichen Mittel für eine Produktion vor. Der Kunde war MERCEDES-BENZ und der Lieferant kein geringerer als MAX EGON BECKER. Damit war der Grundstein einer bis heute andauernden, erfolgreichen Zusammenarbeit gelegt. Max Egon Becker war aber nicht nur ein tüchtiger Geschäftsmann. Bereits seit seinem 17 Lebensjahr, war er begeisterter Motorsportler. Dieser engen Bindung zu den damals berühmten RENN- UND RALLYESTRECKEN, folgte von nun an die Namensgebung der Becker-Autoradios. Klingende Namen der "Rennstreckenserie" wie: AVUS, EIFEL, MONACO, MONZA, NÜRBURG, SOLITUDE und TRIPOLIS schmückten die Geräte.

Blaupunkt siedelte sich im September 1945 in Hildesheim an, da das Werk Berlin-Wilmersdorf von den Sowjets besetzt und demontiert worden war. Das erste Gerät, das am neuen Firmensitz entstand, war der zweiteilige 5 A 649. Die bisherige Bedienung mittels biegsamer Wellen wurde fallengelassen und man realisierte 1949 erstmals die Integration ins Armaturenbrett. Ab 1951 konnten die elektrischen Eigenschaften durch Anwendung der induktiven Abstimmung entscheidend verbessert werden. Sie ermöglichte eine bessere Anpassung des Empfängers, an die kurze Autoantenne und wird noch heute verwendet. In der Folgezeit gab es drei bemerkenswerte Entwicklungsabschnitte auf dem Gebiet des Autosupers. Da war einmal die erfolgreiche Einführung des UKW-Bereichs 1951. Ein Meilenstein der Entwicklung war das weltweit erste UKW-Autoradio. Der Blaupunkt A 52 KU bzw. A 520 KU (mit/ohne Drucktasten) von 1952, gefolgt vom verbesserten A 53 KU (1953). Zum anderen die Anwendung der gedruckten Schaltung, wodurch die Betriebssicherheit sprunghaft stieg. Zum dritten war es die Einführung des bereits 1948 durch die Bell Lab's (USA) erfundenen TRANSISTORS im Jahr 1957.

Am 13.08.1953 lief der erste Becker - MEXICO, das weltweit erste Autoradio mit automatischem SENDERSUCHLAUF und UKW, vom Band. Diese Neuentwicklung war seinen Konkurrenten in jeder Hinsicht so überlegen, daß die Jury des Pokals "RADIO MONTE CARLO" den Beschluß faßte, in den folgenden 5 Jahren den Mexico von diesem Wettbewerb auszuschließen. Das berichtete die FAZ am 30.01.1954. Blaupunkt konterte 1954 mit dem ebenfalls durch automatische Stationssuche glänzenden KÖLN. In den folgenden Jahrzehnten lieferte sich Becker, mit seinem Hauptkonkurrenten Blaupunkt, ein innovatives Kopf an Kopf Rennen. In den 50er Jahren gab es insgesamt 39 Firmen, die sich mit mindestens einem Autoradio versuchten. Viele brachten Spezialgeräte für den beliebten VW-(BREZEL-)KÄFER) heraus, andere spezialisierten sich auf Omnibusgeräte. Der überwiegende Teil dieser Firmen verschwand so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Andere bauen diese Radiogattung noch heute. Am 01. Juli 1954 waren bereits etwa 14% aller deutschen PKW mit einem Autoradio ausgerüstet.

 

 

Teil 3 - Der technologische Fortschritt

 

Der am 16. Juni 1959 von Blaupunkt produzierte, millionste Autoradio nach dem Krieg, bestand noch aus 1.693 Einzelteilen. Um Qualität und Betriebssicherheit nicht zu gefährden, wurde die Umstellung von Röhren auf Transistoren schrittweise vorgenommen. Es begann mit der Transistorisierung des NF-Teils (Endstufen). Als die Transistor-Technik so ausgereift war, daß eine weitere Erhöhung der Betriebssicherheit auch des übrigen Empfangsteils garantiert war, startete man die Volltransistorisierung des Autoradio. Diese Technik sowie die Entwicklung kleiner Bauteile machte es möglich, die äußeren Abmessungen der Geräte weiter zu verringern. Dieses kam dem Wunsch der Automobilindustrie entgegen, das Armaturenbrett zu verkleinern, aus der gegensätzlichen Forderung heraus, einmal Wagen flacher zu bauen, zum anderen Blickfeld und Beinfreiheit für den Fahrer zu vergrößern. In den folgenden Jahren sind die Abmessungen der Autoradios - ohne Lautsprecher - bereits so stark reduziert worden, daß es großer Anstrengungen bedurfte, weitere Millimeter oder sogar 1 cm einzusparen. So war es 1965 eine ganz besondere Leistung der Blaupunkt-Konstrukteure, ein Stationstastengerät mit 5 cm Bauhöhe (vorher 6 cm) und einer Breite von 17,6 cm (vorher 18,3 cm), bei einem Raumbedarf von nur noch 1,3 Litern zu entwickeln, das in der Empfangsleistung seinem Vorgänger voll und ganz entsprach und diesen in seiner Servicefreundlichkeit noch übertraf. Es war also gelungen, den unförmigen Kasten von einst zu einer technischen Vollkommenheit und Vielfalt von Typen zu entwickeln, die damals keine Wünsche mehr offenlies.

Trotz eines bereits sehr umfangreichen Geräteprogramms, versuchten die beiden Premiumhersteller, Becker und Blaupunkt, in ihrer Produktpalette noch breiter zu werden, um wirklich jeden Bedarf abdecken zu können. Blaupunkt baute z.B. ende der 50ziger Jahre mit dem WESTERLAND, das Erste echte "Quick-Out-Autoradio" für den Einbau in das Armaturenbrett. Der Zweck eines solchen Gerätes war weniger der Diebstahlschutz, als vielmehr ein höherer Nutzen für den Verbraucher. Dieser Mehrwert bestand in der Tatsache, daß der herausziehbare Teil ein vollwertiges, batteriebetriebenes kleines Radio, mit eingebautem Lautsprecher war. Somit konnte man das Gerät jederzeit, z.B. an den Badestrand mitnehmen, um auch dort Musik zu genießen. Diesem Gerät folgte der verbesserte und verkleinerte CAPRI. Auch Becker entwickelte ein solches Modell, den MONZA 60. Aus diesem wurde sogar noch ein Kofferradio, der MONZA SPORT, abgeleitet. Damit war das Kapitel "Portabel" für Becker aber wohl abgehakt, denn Nachfolger dieser Geräte kamen nicht mehr auf den Markt. Blaupunkt hingegen, blieb dieser Sparte noch einige Jahre treu, u.a. mit dem MAINZ. Dieser war aber von seiner Konzeption weniger ein Autoradio, als vielmehr ein kleines Kofferradio mit einer Fahrzeughalterung.

Blaupunkt erkannte, daß die unterschiedlichen Einbausituationen der verschiedensten WAGENTYPEN, günstigere Voraussetzungen forderten. Neben der bereits erwähnten Verringerung der Ausmaße wurden einzelne Details verbessert, die den Einbau und die Bedienung weiter erleichterten. Die Antennenbuchse wurde nun über ein flexibles Kabel herausgeführt, um eine größtmögliche Freiheit beim Heranführen des Antennenkabels zu gewährleisten. Weiterhin konnte man den Antennentrimmer (für AM) an der Rückseite des Gerätes ohne Hilfswerkzeug einstellen. Als erstes Gerät dieser neuen Gehäusegeneration erschien 1965 der Blaupunkt HAMBURG auf dem Markt. Um den Bedienungskomfort weiter zu verbessern, war für die Lautstärke- und Klangregelung je ein Bedienungsknopf vorgesehen, außerdem wurden die 5 Stationsdrucktasten mit einer Bereichsanzeige gekoppelt. Hierbei wurde die Skala mit den Anfangsbuchstaben bekannter Sender - Deutschlandfunk und Luxemburg - gekennzeichnet.

Auch Grundig meldet sich 1965, nach fast 9 jähriger Abstinenz bei Autoradios, wieder zurück. Nach einigen sehr interessanten Geräten, die zwischen 1951 und 1954 auf den Markt gebracht wurden, war mit dem SK 54 erstmal Schluß. Der moderne, volltransistorisierte und gut ausgestattete AS 40 markierte den Neuanfang in diesem Segment.

Von nun an ging es Schlag auf Schlag. 1967 begann der UKW-Stereo Empfang, welcher 1969 bei Becker in den Typ EUROPA STEREO und bei Blaupunkt in das Modell FRANKFURT Einzug hielt. Im gleichen Jahr kam auch der erste Becker mit integriertem Cassettenspieler, der MEXICO OLYMPIA STEREO heraus. Dieser konnte zwar nur mono empfangen, dafür tönte die Cassette in Stereo. Wegen einer Namensrechtsverletzung mußte Becker den Zusatz "OLYMPIA" aber wieder entfernen. Seit April 1971 heißt das bis heute bekannte und gesuchte Gerät MEXICO CASSETTE. Die wenigen noch existierenden Mexico mit dem Zusatz "OLYMPIA", sind heute begehrte und leider auch sehr teure Sammlerstücke geworden. Auf Anregung des ADAC beginnt Blaupunkt 1970 mit der Entwicklung des Verkehrsfunks und produziert 1971 das zehnmillionste Autoradio. Sehr spät, erst im April 1972, stellt auch Grundig ein Gerät mit automatischem Sendersuchlauf, den WK 4800 - STATOMAT, vor. 1973 präsentiert Blaupunkt erstmals das neue Spitzenmodell BERLIN. Bei diesem Vollstereo-Kassetten-Autoradio wurde ein völlig neuer Weg der Bedienung beschritten. Alle wichtigen Tasten und Anzeigen wurden auf einem schwenkbaren "SCHWANENHALS" untergebracht, um eine optimale Bedienung bei möglichst geringer Ablenkung des Fahrers vom Verkehrsgeschehen zu gewährleisten. Die Innovationen von Becker im Jahr 1973 heißen MEXICO CASSETTE VOLLSTEREO und GRAND PRIX STEREO. Das von Blaupunkt entwickelte Verkehrsfunksystem "ARI" (Autofahrer Rundfunk Information), wird 1974 offiziell eingeführt.

Unter dieser rasanten Entwicklung, leidet leider auch dar Charme der früheren Geräte. Als Material für die Gerätefronten kommt nun fast ausschließlich schwarzer Kunstoff zum Einsatz, den man als hochwertigen unfallsicheren Kunststoff titulierte. Ab etwa 1977 verschwand auch die mercedestypische, klassische Chromfront mit der auf den Tachometer abgestimmten Skala im "Nadelstreifendesign".

 

 

Teil 4 - Noch kleiner, noch leistungsfähiger

 

1975 - Erstes Autoreverse-Cassetten-Gerät, Becker MEXICO CASSETTE VOLLSTEREO REVERSE. Dieses Gerät stellt die höchste und gleichzeitig letzte Stufe der mechanischen Bauweise dar. Im selben Jahr wird der erste vergleichsweise preiswerte Becker, der MONACO CASSETTE UNIVERSAL eingeführt.

1976 - Die ersten beiden "KURIER" (Verkehrsfunk) Geräte von Becker, EUROPA KURIER und MONZA CASSETTE KURIER, kommen auf den Markt.

1977 - Autoradio (ohne Kassette) mit integriertem CB-Funkgerät, Blaupunkt KOBLENZ CB im DIN-Gehäuse.

1979 - Erste Digitalanzeige (rote 7-Segment-LED-Anzeige) im Blaupunkt BAMBERG QTS (QTS=Quartz-Tuning-System).

1980 - Erstes vollelektronisches Autoradio ohne jeden Drehknopf, Becker MEXICO CASSETTE ELECTRONIC 385, im Volksmund "Taschenrechner" genannt.

1981 - Erstes Vollstereo-Kassetten-Autoradio mit Mikroprocessorsteuerung, ARI, Autoreverse und Vierkanal-Endstufe als Einblockgerät, Blaupunkt BREMEN SQR 31.

1982 - Neues Topmodell BERLIN IQR 83 mit PCI-Senderidentifikation, Sprachausgabe und mehrzeiliger LCD-Anzeige von Blaupunkt. Grundig bringt sein Spitzenmodell WKC 3867 VD auf den Markt. Dieses Gerät war mit dem wohl besten Cassettenlaufwerk ausgestattet, welches bis dahin in ein Autoradio eingebaut wurde.

1983 - Am 26. Januar verstirbt Max Egon Becker.

1984 - Blaupunkt stellt den ersten Auto-CD-Spieler als PROTOTYP vor.

1985 - Autoradio mit integriertem CD-Spieler, Becker MEXICO COMPACT DISC 860.

1987 - Erstes Zwei-Empfänger-Konzept im Becker MEXICO CASSETTE DIVERSITY 830. Neue digitale Medien kamen auf den Markt und so experimentierte auch Becker mit einem DAT-Laufwerk (Digital Audio Tape). Dieser MEXICO DAT blieb aber ein Einzelstück. Das gleiche Schicksal ereilte den Blaupunkt BERLIN IDT 88 auch er ging nie in Serie.

1988 - Am 01. April erfolgt die offizielle Einführung des seit 1984 im Versuchsbetrieb befindlichen RDS-Systems (Radio Data System). Bei diesem kann nicht nur die Frequenz, sondern auch ein maximal 8-Zeichen langes alphanumerisches Senderkürzel, oder andere Informationen auf dem Radiodisplay dargestellt werden. Die ersten RDS-Seriengeräte waren der Blaupunkt MONTREUX RDR 49 und der Grundig 4870 RDS A.

1995 - Im Februar übernimmt der amerikanische Harman Konzern die Becker GmbH, Bereich Autoradio. Seither firmiert das Unternehmen als "Harman / Becker Automotive Systems GmbH".

2005 - Am 01. März wird das ARI-Signal abgeschaltet. Der bekannte "HINZ - TRILLER" wird aber von vielen Sendern weiterverwendet.

2006 - Im Herbst legt Becker den "MEXICO IM NADELSTREIFENDESIGN" neu auf. Mit allem was die Technik heute zu bieten hat, einschließlich Navigation, mp3 und Bluetooth!

2008 - Im Dezember verkauft Bosch nach fast 70 Jahren das Verbrauchergeschäft der Autoradio - Marke Blaupunkt, an einen Finanzinvestor.

2009 - Erneuter drastischer Stellenabbau bei Becker (950 Stellen).

2010 - Im Januar gibt Becker seinen Geschäftsbereich Mobile Navigation auf, dieser wird von Falk übernommen.

2010 - Im Mai wird die Antennensparte von Blaupunkt an Kathrein verkauft.

 

© Verfasser: H. Kerl 12/2000, zuletzt überarbeitet am 30. Juni 2010.

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